Wenn ein Leben endet und ein neues beginnt..

Jetzt ist schon einige Zeit vergangen, seit Jornadan so plötzlich verstorben ist. Letzte Woche am Montag war die Beerdigung. Es war ein sehr würdevoller, stimmiger und passender Abschied. Der Sarg war in hellen Farben, weiß mit blau. Der Friedhof sehr schön, inmitten grüner Natur gelegen.

Erst haben wir uns vor dem Kühlhaus getroffen und noch einen Anzug für Jornadan und eine Decke für den Sarg mitgebracht. Zur Zeit darf wegen Corona nur eine Person den Verstorbenen identifizieren, bevor er in den Sarg gelegt wird. Da es mir ein großes Anliegen war Jornadan nochmal zu sehen, um besser begreifen und persönlich Abschied nehmen zu können, haben die Polizisten eine Ausnahme gemacht und mich mit einer Krankenschwester zu Jornadan gelassen. Da lag er dann in seinem Anzug, so friedlich. Ich bin dankbar für diesen intensiven Moment. Seitdem bin ich innerlich in Frieden.

In diesem Haus konnte ich mich nochmal von Jornadan verabschieden.

Anschließend fuhren wir dann alle zum Friedhof, wo die Beisetzung war.

Der Friedhof

Um das Grab wurde erst noch gesungen, rundherum zwitscherten einzelne Vögel im Einklang mit der Natur. Es war ein sehr friedvoller Abschied.

Ortswechsel.

Einen Tag vor der Beerdigung hatte ich am Nachmittag das Krankenhaus Kiveve besucht, wo ich Anfangs 2 Monate gearbeitet habe.

Zufällig traf ich gleich bei meiner Ankunft, eine meiner Lieblingskrankenschwestern Pauline. Sie sagte mir, dass eine Frau in den Wehen liegt, und das Baby wahrscheinlich bald zur Welt kommt. So schnell hab ich nicht geschaut, stand ich schon mit Pauline im Kreißsaal. Ausgestattet mit Handschuhen und einer Schürze.

Nach 50 Minuten erblickte dann das kleine Mädchen das Licht der Welt. Es war ein besonderer Moment. Das Baby war noch an der Nabelschnur und die Mama bedankte sich sofort mit den Worten “Merci Senior“ bei Gott, das ihr ein gesundes Kind geschenkt wurde und sie auch wohlauf ist. Das Mama und Kind nach der Geburt wohlauf sind, ist hier im Kongo überhaupt nicht selbstverständlich.

Während der Geburt wurde mir wieder vor Augen geführt, unter welch einfachen Bedingungen sie im Kiveve Krankenhaus, so gute Arbeit leisten. Es gab auch kein klinikeigenes Tuch für die Gebärende. Das was vorher noch der Wickelrock der Frau war, wurde anschließend zum Abwischen des Blutes benutzt.

Pauline und ich mit dem Neugeborenen

Pauline hat dann noch die Mama versorgt und ich habe das Baby angezogen. Für mich war es unglaublich, da zu diesem Zeitpunkt das kleine Mädchen noch keine 10 Minuten alt war, mich aber so intensiv anlächelte, als wäre es schon drei Monate alt.

Für mich waren dies zwei sehr intensive Erlebnisse an zwei aufeinander folgenden Tagen. Ein Baby erblickte die Welt und Jornadan wurde beerdigt.

Es tat mir sehr gut, anschließend erst einmal ein paar Tage am Meer zu entspannen, um das Erlebte nachwirken zu lassen und die innere Mitte wieder zu finden.


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