24h für Motema Congo

Heute wollen wir euch über eine Aktion informieren, ganz unter dem Motto: Ein Fahrer, zwei Wünsche, drei Euro. Was das genau bedeutet und wie es dazu kam, erfahrt ihr natürlich gleich hier.

Als ich im März selbst vor Ort war und unser Projekt der zwei neuen Geburtsräume in Lovo begleitete, eilte ich eines Abends die Straße hinunter, um ein Taxi zurück nach Boma zu erwischen. Darauf bedacht keine Mitfahrgelegenheit zu verpassen, achtete ich einzig auf den Verkehr, nahm sonst kaum Notiz vom restlichen Geschehen um mich herum. Trotzdem musste ich plötzlich, ohne zunächst zu wissen warum, stoppen. Hatte ich da aus dem linken Augenwinkel ein Rennrad im Abwassergraben stehen gesehen? Ein kurzer Schulterblick bestätigte dies. Was soll`s, ich muss vor Einbruch der Dunkelheit zurück in Boma sein. Weiter. Moment mal, da oben steht noch eins an einer Garküche. Jetzt drehte ich mich vollständig um, den Blick suchend nach den Besitzern gerichtet. Fehlanzeige, weit und breit niemand, außer der Frau, die in einem Bohneneintopf rührte und teilnahmslose Passanten welche vorbeieilten. Die Szene war zu skurril, ich ging zurück und begutachtete das besitzerlose Fahrrad näher. Carbongabel, feinstes Schaltwerk von Shimano, gute Laufräder, kein Zweifel, da stand ein hochwertiges Sportgerät vor mir. Neugierig geworden, fragte ich die Köchin nach den Fahrern, als gerade zwei junge Burschen hinter einem Haus hervor kamen. Wie sich herausstellte, waren es zwei Brüder aus Kinshasa, welche auf dem Weg ans Meer waren und dafür gleich mal 580km in drei Tagen als Training absolvierten. Wow. Dazu kam, dass sie es ebenso eilig hatten und ebenfalls vor der Nacht in Boma sein wollten, um dort eine Pause einzulegen. Wir verabredeten uns zum Abendessen.

Wie es der Zufall so will, kennt Jessica seit einiger Zeit den Champion von Kongo Zentral im Radrennsport, der zur Zeit in Boma studiert. Er heißt Heritrie und natürlich holten wir ihn dazu, um uns gegenseitig kennen zu lernen und auszutauschen. Es war ein fröhlicher Abend, indem es neben dem Austausch von sportlichen Erlebnissen, vor allem um Träume und Möglichkeiten ging. Julien und sein Bruder Jordan wollen am liebsten Profis werden, einmal Rennen in Europa fahren. Heritrie möchte eigentlich nur Rennen fahren, egal wo und überhaupt ist es das beste Gefühl für ihn, auf seinem Fahrrad zu sitzen.

Auch mich begleitet das Fahrrad schon ein Leben lang. In allen Variationen, ob auf oder abseits der Straße, Hauptsache zwei Räder unter dem Hintern. Mein Vater saß jetzt bald 60 Jahre auf dem Rennrad. Mein Opa hat in der Nachkriegszeit viel in den Radsport investiert. In mir reifte der Gedanke, diesen wieder erweckten Sportsgeist mit nach Hause zu nehmen und mich für das kommende 24h-Rennen in Kelheim anzumelden. Drei Mal hatte ich in den vergangenen Jahren bereits teilgenommen, im Team zu fünft und einmal ebenfalls mit meinem Vater und Sohn, zu dritt als Drei-Generationen-Team.

Doch dieses Mal werde ich als Einzelfahrer an den Start gehen, einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Rundkurs von gut 16 km versuchen, so oft als möglich in 24 Stunden zu bewältigen. Und ich werde dieses Mal nicht für mich oder wegen der sportlichen Herausforderung starten: Dieses Mal fahre ich für Motema Congo, für die Jungs mit ihren Träumen, ich fahre für den OP im Krankenhaus Lovo und für unsere Ausbildungsstätte.

Ich habe mich dafür entschieden, im alten Stil zu starten, im Sportsgeist von früher, wo nicht das Material die Rolle spielte und wo man gar keine andere Wahl hatte, als sich durchzubeißen. Auch die jungen Sportler im Kongo haben keine Wahl, genauso wie die Ärzte im Operationsraum, ohne ausreichende Ausstattung, ohne Klimagerät bei unerträglicher Hitze. Junge Frauen ohne Schulbildung haben nicht ansatzweise eine Wahl über die Gestaltung ihres Lebens. Ich habe die Wahl und werde versuchen, auf meinem Retro-Racer in 24 Stunden, 24 Runden zu fahren und dabei meine geradelten km in Form von einer Kilometer-Spende anzubieten. Damit wären wir beim Eingangs erwähnten Motto angelangt: Ein Fahrer, zwei Wünsche, drei Euro. Für einen km würden wir von Motema Congo uns 3€ wünschen, um jungen Frauen, die ab Dezember bei uns die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung als Schneiderin zu absolvieren, eine Nähmaschine im Wert von 120€ zu finanzieren. Der zweite Wunsch wäre, den OP in Lovo mit einer Klimaanlage im Wert von 500€ auszustatten. Ab 1km/3€ kann man schon dabei sein. Eine ganze Runde wäre für 48€ Kilometerpauschale zu haben.

Das Rennen findet am 13. Juli von 14:00 Uhr bis Sonntag 14. Juli 14:00 Uhr in Kelheim statt. Mehr Infos mit genauen Details, einen Link zum Veranstalter, Bezahlmöglichkeiten und der Möglichkeit mich live im Renngeschehen zu verfolgen, erfahrt ihr rechtzeitig hier auf unserer Seite.

Über eure Unterstützung, ob als Spende, vor Ort am Renntag, oder in Form einer schriftlichen Motivation würden wir uns sehr freuen.

Mit sportlichen Grüßen

Christian und das gesamte Team von Motema Congo.


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