Als ich mich Anfang März auf den Weg machte, war die letzte Vereinssitzung von Motema Congo e.V. gerade mal zwei Tage her. Das Notizbuch war gut gefüllt mit Aufgaben, Terminen und Vorhaben, die ich in der knappen Zeit von drei Wochen gewillt war zu bewältigen. Unsere Projekte waren mit der Zeit gewachsen, die Anzahl der Schul- und Studentenpatenschaften hatte sich erhöht, auf der Selbstversorgerfarm war eine kleine Wasserquelle entdeckt worden wo ein Auffangbecken gebaut werden sollte, die einzige Schule für Kinder mit Handicap brauchte qualifizierte Unterstützung und unsere Ausbildungstätte befand sich mitten im Bau. Ich freute mich auf die erneute Begegnung mit mittlerweile vertrauten Menschen in Boma und nach sechs Monaten, natürlicherweise dem Wiedersehen mit meiner Tochter Jessica. Kurz gesagt, ich war gut vorbereitet, zuversichtlich ein Jahr unserer Hilfe zur Selbsthilfe im Kongo zu evaluieren, motiviert bei Bedarf neue Ziele zu stecken und bester Stimmung.
Je näher die Ankunft bevorstand, kreisten meine Gedanken jedoch um die immer gleichen Bilder in meinem Kopf, das Entbindungszimmer des kleinen Krankenhauses Lovo in Manterne. Gut erinnerte ich mich an die katastrophalen Zustände der Einrichtung während meines letzten Aufenthaltes. Verrostete Eisengestelle und vor Jahrzehnten umgebaute Holztische als Entbindungsliegen. Die Räumlichkeiten mit drückender Hitze, ohne Klimaanlagen oder Ventilatoren, feuchten Innendecken, abblätternder Farbe, kaputten Fenstern. Dem Gegenüber standen 30/40 Geburten im Monat. Lovo ist wegen den zwei bestens ausgebildeten Ärzten und einem kleinem OP, das einzige Hospital in weitem Umkreis welches Kaiserschnitte durchführt, auch deshalb hat es einen guten Ruf.





Ein zu Jahresbeginn gestellter Förderantrag über 25 000€ bei einer internationalen, medizinischen Stiftung zur nachhaltigen Verbesserung der Versorgungslage der Bevölkerung, fiel im Auswahlverfahren aus dem Raster, er wurde abgelehnt. Motema Congo e.V. war hier maßgeblich beteiligt und Jessica hatte viel Zeit investiert bei der Erstellung des Bedarfs- und Nutzungsplanes, bei den bürokratischen Formalitäten der Einreichung. Wir dagegen hatten nur ein kleines Budget zur Verfügung. All diese Faktoren schwirrten in meinem Kopf umher, es fiel mir nur schwer sie in eine umsetzbare Lösung zu ordnen.

Gut 30 Stunden nach meiner Ankunft saßen wir zusammen: Schwester Vero, Verwaltungsangestellte von Lovo, Dr. Serge, praktizierender Arzt und Chirurg, Dr. Clement, Oberarzt, Jessica und ich von Motema Congo e.V. Nach langen Gesprächen über Wünsche nach Dringlichkeit, Kosten, Machbarkeit und einem gemeinsamen Mittagessen, einigten wir uns darauf zumindest eines der Geburtszimmer von Grund auf zu sanieren. Es sollte ein Vorzeigeprojekt werden. Oberste Priorität soll dabei im gleichen Maße auf das Wohlbefinden der Patientinnen, sowie auf die Erleichterung der medizinischen Mitarbeiter gerichtet sein. Es war Samstag der 09. März.
Als Verantwortlicher wurde ich in jede Entscheidung eingebunden, war nahezu täglich vor Ort. Die Entfernung von 23km aus Boma legte ich schon bald so selbstverständlich wie meinen Arbeitsweg zurück. Montag wurden die ersten Materialen gekauft, die Arbeiter beauftragt, ein Wochenplan erstellt. Am nächsten Tag in meinem Beisein, als Auftakt die teils morsche Innendecke aus Holzplatten entfernt. Trotz weiterer Schäden am Außendach und diverser anderweitiger Hürden, schritten die Arbeiten flott voran. Am Freitag wurde schon der Boden gefliest, zwei neue Türen und drei Fenster angefertigt. Die Elektrik wurde komplett neu verkabelt, Licht und geplante Deckenventilatoren an eine seit kurzem vorhandene Solaranlage angeschlossen.







Doch eines wurde sehr schnell klar, wir konnten unmöglich einen Raum im veralteten Originalzustand lassen, während der daneben im Schein des Neuen glänzt. Wie eine Fügung kam uns dabei, die mehr als großzügige Einzelspende eines Ehepaares zu Hilfe. Dank unserer Osteraktion, sowie engagierten Unterstützern denen dieses Projekt ebenfalls am Herzen lag, wurde noch während der Arbeiten, der Weg zur vollständigen Fertigstellung geebnet Ein besseres Timing konnte es nicht geben. Nach genau zwei Wochen am Samstag den 23. März, waren die Arbeiten abgeschlossen. Das Warte- und Vorbereitungszimmer für die Gebärenden, wie das eigentliche Entbindungszimmer hatten einen neuem Boden, teils geflieste und gestrichene Wände, helles Licht, Ventilatoren, ein neues Krankenbett, Infusionsständer, einen Fetaldoppler. Doch vor allem, beide Räume bekamen neue, moderne Geburtsliegen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf genau 2790€. Ich denke es ist ein gutes Beispiel, wie man mit relativ kleinen Mitteln das Maximale bewirken kann.




Das gesamte Team des Krankenhauses Lovo freut sich über die gelungene Projektarbeit.

Wir sind zuversichtlich den Geburtsraum zeitnah auch mit den wenigen, noch fehlenden Materialien ausstatten zu können. Dazu gehören zwei medizinische Wandschränke, ein Säuglingstisch zur Erstversorgung nach der Geburt mit einer Waschschüssel und eine Babywaage.



Am Ostermontag den 01. April wurden die zwei neuen Entbindungsräume in Anwesenheit des Krankenhaus Teams feierlich von einem Pfarrer gesegnet. Seit Dienstag darauf sind die neuen Entbindungsräume in Betrieb und es wurden seit der Einweihung bereits mehrere Babys geboren.





Vielen herzlichen Dank an euch alle, die dieses Projekt mit ihrer Geldspende unterstützt haben, im Großen und im Kleinen! Ihr habt nicht nur einen sehnlichen Wunsch Wirklichkeit werden lassen, sondern einen nachhaltigen Beitrag für Hilfe zur Selbsthilfe, bei der medizinischen Versorgung der Frauen rund um Boma geleistet.
Beste Grüße
Euer Christian