Tsumbu-eine besondere Begleitung

Liebe Leser,

abseits von unseren Beiträgen und Projekten in der Ausübung unseres Engagements für Motema Congo, geschehen nebenher immer wieder kleine Ereignisse oder Begegnungen von denen in der Regel niemand erfährt. Sie bleiben die ganz privaten Erlebnisse und Erinnerungen, welche dieses Ehrenamt für uns noch persönlicher, noch wertvoller macht. Diese Geschichten am Rande werden höchstens im engen Freundeskreis oder der Familie geteilt. Folgende Geschichte ereignete sich über Wochen ganz im Stillen, ohne dass etwas zu uns nach Deutschland durchdrang. Es war eine von diesen ganz persönlichen Angelegenheiten Jessicas, die nicht nur ihr eigenes Herz berührten, sondern es Wert sind erzählt zu werden. Sie handelt von einer ganz besonderen Begegnung mit einem besonderen Menschen, der es Wert ist ganz nach unserem Motto Hilfe zur Selbsthilfe zielgerichtete Unterstützung zu finden.

Euer Christian

Jessicas Erzählung:

Vor einigen Wochen war ich zu Besuch im örtlichen Gefängnis von Boma. Pfarrer Roger der zuständige Geistliche für das Gefängnis, lud mich und einen guten Freund Djeskin ein, ihn zum Gottesdienst dorthin zu begleiten. Es wurde gebetet, gesungen und getrommelt. Es war für alle sehr bewegend. Der Gottesdienst gibt den Menschen dort unter diesen trostlosen Bedingungen Hoffnung.

Im Gefängnis wurden wir mit viel Leid konfrontiert. Ich sah unzählige abgemagerte, hungernde Menschen. Ebenfalls keine Seltenheit sind Infektionskrankheiten.

Viele Menschen sitzen unschuldig im Gefängnis, werden willkürlich oder teils mit System angeklagt und müssen sich wieder freikaufen. Schwere Delikte wie Mord sind eher eine Seltenheit, im Kongo handelt es sich vielmals um Diebstahl aufgrund von Armut.

Info: Die Demokratische Republik Kongo ist ein sogenannter gescheiterter Staat, der aufgrund verfallender staatlicher Einrichtungen (Regierung / Behörden / Polizei) nicht mehr zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit in der Lage ist. Laut Auswärtiges Amt „agiert eine lebendige und resiliente Zivilgesellschaft mit willkürlich handelnden Sicherheits- und Justizbehörden.“

Im Gefängnis selbst wird nur einmal in der Woche Sonntags gekocht. Ansonsten sind Angehörige zuständig die Insassen mit Essen zu versorgen. Immer wieder sterben in Boma Menschen im Gefängnis am Hungertod, da sie niemanden haben der sich um sie kümmert.

Auch gibt es dort keine Gefängniszellen wie bei uns. Alle sind zusammen untergebracht, Unschuldige zwischen Kriminellen und Straftätern. Es gibt einen großer Innenhof und einen Eingang in das Innere, welches einem riesigen Verließ gleicht. Dorthin müssen sich täglich um 16:00 Uhr alle nach innen begeben und am nächsten Tag um 8:00 Uhr morgens wird wieder aufgesperrt. Die hygienischen Zustände dort sind schlichtweg katastrophal kaum zu beschreiben.

Für die Insassen gibt es keine Begleitung, keine Beschäftigung, kein soziales Kompetenztraining oder eine Zukunftsplanung wie in Deutschland. Einige haben keine Vorstellung was sie nach ihrer Entlassung tun sollen und landen so bald wieder im Gefängnis.

Ich sah während des Gottesdienstes in viele leidvolle, hungernde Gesichter.

Währenddessen blieb mein Blick bei einem jungen Mann hängen, unsere Blicke trafen sich. Ich sah das Leid in seinen Augen, gleichzeitig hatte er während des Gebetes etwas starkes, hoffnungsvolles in seinem Gesichtsausdruck. Wie sich im Nachhinein herausstellte, der Beginn einer berührenden Geschichte für mich persönlich und jetzt eine besondere Begleitung für uns von Motema Congo e.V.

Nach dem Gottesdienst winkte ich ihn zu einem kurzen Gespräch zu uns, ich wollte mehr über seine persönliche Geschichte erfahren.

Sein Name ist Tsumbu.

Tsumbu ist 26 Jahre alt. Aufgewachsen ist er mit drei Schwestern in einem Dorf eine Stunde außerhalb von Boma. Sein Papa ist schon länger verstorben, seine Mama letztes Jahr. Er lebte bisher bei seiner Oma. Die Schule konnte er nur bis zur 5. Klasse besuchen. Lesen und Schreiben kann er kaum.

Letztes Jahr bekam er die Möglichkeit sich als Motoradtaxifahrer etwas Geld zu verdienen. Tsumbu war sehr dankbar über diese Möglichkeit, da seine Mama schon krank war und sie Geld für die Behandlung brauchten. Der Besitzer stellte ihm gemeinsam für ihn und einen Freund sein Motorrad zur Verfügung. Tsumbu und sein Geschäftspartner fuhren abwechselnd, bis eines Tages sein Freund mit dem Motorrad verschwunden ist. Bis heute sind beide nicht mehr auffindbar. Da Tsumbu gemeinsam mit seinem Freund für das Motorrad verantwortlich war, verhafteten sie Tsumbu und verurteilten ihn zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnisstrafe.

Von einem Gefängnismitarbeiter erfuhren wir, dass er bereits ein Jahr geschafft hat. Mit Essen wurde er von der Familie nicht versorgt. Seine Oma und Schwestern leben im Dorf und haben nicht die finanziellen Möglichkeiten.

Von einer Unterstützerin bekamen wir bereits 100€ um Tsumbu mit Essen zu versorgen. Wir begannen daraufhin strukturiert ihn zweimal pro Woche mit Nahrung zu versorgen. Djeskin, der mich beim Gottesdienst begleitete und auch bereits für Motema Congo auf unserer Selbstversorgerfarm tätig ist, nahm sich dieser Aufgabe mit Herz und Verlass an. Vielen Dank auch an dieser Stelle an Djeskin für die verantwortungsvolle Begleitung von Tsumbu.

Djeskin begann zweimal pro Woche für Tsumbu reichhaltig zu kochen.

Bald merkten wir bei unseren Gesprächen, dass Tsumbu auch dringend andere Dinge benötigte. So versorgten wir ihn nach und nach mit Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, zwei T-Shirts, zwei kurzen Hosen, sowie Medikamente gegen ein Hautekzem.

Da er immer barfuß war, besorgte ihm Djeskin neben den Mahlzeiten noch ein paar Badeschlappen.

Die Besuche im Gefängnis bei Tsumbu wurden für uns zur Routine. Wir bemerkten von Besuch zu Besuch, dass immer mehr Hoffnung und Lebenswille bei Tsumbu zurückkam. Er fühlte sich wieder gesehen und er konnte wieder lachen.

Am 20. Juni 2026 – in wenigen Wochen wird Tsumbu aus dem Gefängnis entlassen!

Ich fragte Tsumbu was er nach seiner Entlassung gerne in seinem Leben machen würde. Tsumbu antwortete daraufhin, dass er gerne eine Ausbildung zum Schneider machen würde. Später möchte er damit für sich und seine Oma sorgen. Vielleicht ist es eine Fügung, denn am 13. Juli 2026 starten wir mit einer neuen Klasse an unserer Ausbildungsstätte, nur drei Wochen nach Tsumbus Entlassung.

Um diesen Weg gemeinsam mit euch für Tsumbu in eine Zukunft mit Perspektive weiter begleiten zu können, freuen wir uns über finanzielle Unterstützung für Tsumbu:

  1. Versorgung für weitere Mahlzeiten im Gefängnis für Tsumbu bis zu seiner Entlassung (Mit 100€ konnten wir Tsumbu für 1 Monat gut versorgen.)
  2. Fahrgeld für Tsumbu für seine Entlassung, um ihn am 20.6.2026 aus dem Gefängnis zu seiner Oma ins Dorf zurück zu begleiten.
  3. Erstausstattung für ein Zimmer in Boma während der Ausbildung / Matratze / Teller / Besteck
  4. 10€ pro Monat über 18 Monate für die Mietung eines Zimmers in Boma während seiner Ausbildung an unserer Ausbildungsstätte.
  5. 40€ Taschengeld pro Monat über 18 Monate für Essen
  6. Einen Paten / eine Patin, der/die Tsumbu gerne die Ausbildung zum Schneider in unserer Ausbildungsstätte ermöglichen möchte (45€ pro Monat über 18 Monate) Schreibe mir gerne eine email kongo.hilfe@posteo.de

Insgeamt benötigen wir für Tsumbu 1.350€.

Dabei ist bereits ab der nächsten Essensversorgung dieser Woche bis zu seiner Entlassung bis zum Ende der Ausbildung alles berechnet. Die Patenschaft für die Ausbildung zum Schneider ist extra.

Auf den ersten Blick wirkt es unmöglich. Doch ich durfte die letzten Jahre durch euch schon mehrmals die Erfahrung machen, dass mit unserem gemeinsamen Wirken nichts unmöglich ist. Wir lassen uns gerne überraschen, welchen Weg wir mit Tsumbu gemeinsam gehen können.

Wenn du Tsumbu gerne begleiten möchtest, überweise einen Betrag deiner Wahl mit dem Verwendungszweck „Tsumbu“.

Alle Spenden fließen auf unser Vereinskonto du kannst auch nach wie vor direkt an unser Vereinskonto spenden. Die Bankverbindung lautet:

Empfänger:  Motema Congo e. V.

IBAN: DE05 8306 5408 0005 2073 04

BIC: GENODEF1SLR

Verwendungszweck: Tsumbu

Für mich wurde die Begleitung von Tsumbu zu einer wahren Herzenssache und ich freue mich, dass wir schon die letzten vier Wochen Licht und Hoffnung in sein Leben bringen konnten.

In Verbundheit aus dem Kongo

Jessica


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