In liebevoller Erinnerung an Marie

Liebe Leser,

heute gibt es eine traurige Nachricht aus Boma.
Marie, ein Mädchen begleitet von Motema Congo, ist am Mittwoch den 23.10.2024 plötzlich und unerwartet verstorben. Marie wurde seit drei Jahren von einer Schulpatin, vermittelt durch unseren Verein, unterstützt. Ihr wurde dadurch nicht nur der Schulbesuch ermöglicht, sondern auch jeder ihrer Geburtstage wurde durch ihre Patin für Marie zu einem besonderen Tag. Die Verbundenheit zwischen den beiden war stets spürbar. Umso größer war nun der Schock für uns alle, als wir erfuhren, dass Marie diese Woche plötzlich verstorben ist. Ende August als ich mit meinem Motema Congo Team jedes Patenkind persönlich getroffen habe, war sie noch bei bester Gesundheit.
Wie uns ihre Mama nun berichtete, ist Marie bereits mit einer Nierenfehlbildung geboren worden, bisher aber immer beschwerdefrei gewesen. Jetzt am 21.10.2024 fühlte sich Marie nicht gut und sie hatte Wassereinlagerungen. Die Familie ging mit ihr ins Krankenhaus, wo eine Nierenfunktionsstörung festgestellt wurde. Zwei Tage später verstarb Marie, nachts im Kreis ihrer Familie.
Mir hat dieser traurige Anlass mal wieder verdeutlicht, wie die medizinische Versorgung in Boma bei bestimmten Erkrankungen wie zum Beispiel der Nieren oder eines Tumors, an seine Grenzen stößt. Und selbst wenn es in der 10h entfernten Hauptstadt Kinshasa Behandlungsmöglichkeiten gibt, können sich das nur die allerwenigsten leisten.
Den Umgang mit dem Tod nehme ich unter den Menschen im Kongo als etwas ganz natürliches wahr. Getrauert wird hier zu Beginn laut und intensiv. Der Glaube gibt den meisten Menschen hier sofort Kraft und Halt. Häufig hört man Aussagen wie „Es war Gottes Wille“ oder „Nur Gott weiß warum“. Sobald jemand verstirbt, kommt die ganze Familie zusammen um Geld für die Beisetzung zu sammeln. Ist die benötigte Geldsumme zusammen, wird die Beerdigung geplant. Einen Abend vor der Beisetzung findet eine Trauerfeier statt, die die ganze Nacht bis zum Morgen dauert. Dabei wird geweint, geredet, getanzt, gegessen, geschlafen. Am Morgen nach der Trauerfeier, trifft man sich am Zentralkrankenhaus und sobald der Sarg mit dem Verstorbenen freigegeben wird, fahren alle Trauernden mit einem Taxi, dem Auto mit dem Sarg bis zum Friedhof hinterher. Dort findet dann unter großer Anteilnahme die Beisetzung statt. Eine Urnenbestattung existiert im Kongo nicht. Für die Menschen hier ist der Gedanke sehr befremdlich, den Körper eines Verstorbenen verbrennen zu lassen.
Nächste Woche werden wir uns in Boma von Marie verabschieden. Wir möchten sie in liebevoller Erinnerung behalten, so wie sie war - ein Mädchen voll Freude und Leichtigkeit.
Liebe Marie, wir tragen Dich im Herzen weiter!!

Eure Jessica, das gesamte Team und alle Kinder von Motema Congo.
In Gedanken sind wir bei Marie`s Familie.

Ein Gedanke zu “In liebevoller Erinnerung an Marie

  1. Liebe Jessica,
    vielen Dank für Deine Worte und die Schilderung der Trauerfeier. Ich bin dankbar für die drei Jahre, die ich Marie begleiten durfte. Auch über die große Entfernung und durch die Fotos und Mails von Euch über den Entwicklungsstatus von Marie war ich stets mit ihr verbunden. Ich wünsche der Familie von Marie Gottes Segen und Kraft für die Beerdigung und darüber hinaus. Irgendwann werde ich die kleine Marie sehen, und dann werden wir uns in den Arm nehmen und sagen, danke, dass wir beide uns drei Jahre in dem vorherigen Leben begleiten durften. Danke an Dich liebe Jessica, und Deine Organisation, dass Du das ermöglicht hast. ❤️
    Ich wünsche Dir und Deiner Organisation Gottes Segen.

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