Was sich im Kongo bewegt

Lieber Leser,

heute schenke ich dir einen Einblick darüber, was sich in den letzten Wochen für die Menschen im Kongo bewegt hat.

Zu Beginn möchte ich euch jedoch zwei Erlebnisse erzählen, welche ich bei meinem letzten Aufenthalt in Boma erlebt habe.

Kaiserschnitt im Krankenhaus Kiveve

Als ich letzten November im Krankenhaus Kiveve zu Besuch war, wurden gerade Vorbereitungen für einen Kaiserschnitt getroffen. Eine junge Frau sollte ihr erstes Kind mit einem Kaiserschnitt zur Welt bringen und sogleich wurde mir als examinierte Krankenschwester mit der Frage ob ich dabei sein möchte, ein Kittel gereicht. Schon stand ich mit dem Ärzte und Pflegeteam im OP. Es war sehr heiß, eine Klimaanlage gibt es natürlich nicht. Von draußen hörte ich lachende Schulkinder vorbeilaufen. Augenblicklich fiel mir der sehr junge Narkosearzt auf. Er verabreichte der jungen Frau nicht nur kompetent die Rückenmarksnarkose sondern sprach dabei auch zugewandt und sehr beruhigend mit der Patientin. Kurz vor dem Schnitt, schaltete der Chirurg noch eine entspannende, aber fröhliche Musik mit christlichen Texten am Handy ein. Er erklärte mir, dass diese Musik die Frau nicht nur beruhigen, sondern auch für eine angenehme Atmosphäre während dem Eingriff sorgen soll. Wenige Augenblicke später erblickte ein kleines Mädchen das Licht der Welt. Erneut faszinierten mich nicht nur die kompetente Arbeitsweise der Ärzte und Pflegekräfte unter diesen widrigen Bedingungen, sondern auch die Menschlichkeit der Fachkräfte.

Der Junge Jean aus dem Waisenhaus Stella Maris

Eines unserer Patenkinder, der Junge Jean, lebte die letzten Jahre im Waisenhaus Stella Maris. Als ich bei meinem letzten Aufenthalt selbst dort zu Besuch war, traf ich ihn jedoch nicht mehr an. Mir wurde erklärt das Jean sehr krank war und bereits vor einigen Wochen das Waisenhaus verlassen hat. Er sei wohl bei einer Verwandten untergekommen, wo diese wohne wisse niemand so genau. Auch erhielt ich die Info dass er aufgrund von Krankheit vermutlich seit Wochen keine Schule mehr besucht hatte. Ich informierte sogleich den Schulpaten in Deutschland über die Situation seines Patenkindes. Der Pate meinte, Jean solle sich so lange Zeit nehmen wie er braucht um wieder gesund zu werden, er möchte ihn wenn es Sinn macht, dann später für die Schule auch weiterhin unterstützen. Jean soll nicht das Gefühl bekommen, dass er aufgegeben wird. Letztendlich konnte eine Jugendliche vom Waisenhaus, meinem Kollegen Aziza und mir zeigen wo Jean sich aktuell aufhielt. Wir fanden das kleine Haus nur 10 Autominuten vom Waisenhaus entfernt. Jean trafen wir dort in bester Gesundheit an. Sofort fiel mir auf wie gepflegt und höflich uns Jean begrüßte. Im Gespräch erfuhren wir das die Frau, welche Jean vorübergehend aufgenommen hat, seine Tante ist. Sie erzählte uns von Jeans mehrere Wochen andauernder Malariaerkrankung , weshalb sie ihn zu sich holte um ihn gesund zu pflegen. Auf unsere Frage, wie es nun mit Jean weiter gehe, meinte die Tante, sie werde ihn ins Waisenhaus zurück bringen, weil sie selbst nicht die finanziellen Mittel hat sich langfristig um ihn zu kümmern. Wir berichteten ihr dann von der Schulpatenschaft. Jean hatte ihr aber bereits erzählt das er einen „Papa“ in Deutschland habe der ihm die Schule finanziert. Erneut wurde mir bewusst wie präsent doch die Schulpaten bei den Kindern sind. Da wir aber sahen wie gut Jean bei seiner Tante aufgehoben war, wollten wir ihm gerne langfristig diesen Platz als zuhause gönnen. Letztendlich hat die Tante sich im Gespräch bereit erklärt, mit unserer Unterstützung Jean langfristig ein zuhause zu geben. Zusätzlich zur Schulbildung wird die Tante das Brotgeld für Jean bekommen, welches ihm bisher auch im Waisenhaus jeden Morgen Brot ermöglichte. Zu Weihnachten bekamen sie von unserer Ziegenaktion ein Paar Ziegen zur Unterstützung geschenkt. Bis zum heutigen Tag geht es Jean sehr gut dort. Wenn er jetzt hört das unsere Dauphine Sonntags im Waisenhaus kocht, kommt er dort hin um mitzuessen und mit seinen Freunden von dort zu spielen. Es freut mich sehr, das Jean über diese Umwege ein familiäres Zuhause gefunden hat.

Sonntagessen im Waisenhaus Stella Maris

Nach wie vor kocht unsere fleißige Dauphine, zweimal pro Monat ein reichhaltiges Sonntagsessen für die Kinder im Waisenhaus Stella Maris. Einen weiteren Sonntag bereitet sie ein nahrhaftes Frühstück für die Waisenkinder vor. Es wurde nun aber auch im Kongo alles teurer, so auch gewisse Lebensmittel. Wir mussten das Budget von 190€ pro Monat auf 210€ pro Monat erhöhen. Für ein Sonntagsessen für 30 Kinder werden nun 70€ benötigt. Es beinhaltet bereits die Transport und Aufwandskosten. Momentan reicht unser Geld für die Sonntagsmahlzeiten noch bis nächstes Jahr im April

15 Hochbetten für das Waisenhaus Saiko

Für das Waisenhaus Saiko in Boma, wo 100 Kinder ein Dach über dem Kopf finden durften, fehlte es an vernünftigen Schlafmöglichkeiten, sodass die Kinder und Jugendlichen teilweise auf dem Boden schlafen mussten. Dank einer Einzelspenderin ließen wir 15 Hochbetten im Wert von 1500€ für die Waisen schreinern. In einem Hochbett werden im Schnitt vier Kinder schlafen. Die Freude unter den Kindern war groß.

Hochbetten für das Waisenhaus Saiko

Schulbänke und Tische für die Schule in Kanzi

In dem kleinen Dorf Kanzi, welches sich eine gute Stunde Fahrzeit mit dem Auto von Boma entfernt befindet, gab es große Schwierigkeiten für alle Schüler einen Sitzplatz im Klassenzimmer zu finden. Wir konnten dort 30 Schulbänke und Tische im Wert von 1200€ schreinern lassen. Die Schüler in Kanzi können nun alle ordnungsgemäß am Unterricht teilnehmen. Herzlichen Dank!!

Das Schuljahr von unseren 31 Schulpatenkindern ist zu Ende

Nun sind auch im Kongo Ferien. Dauphine und Aziza von unserem Team im Kongo waren bereits bei jedem unserer 31 Patenkinder um das Zeugnis und die Schulleistung zu erfragen. Auch haben Sie mit der Familie bzw dem Waisenhaus gesprochen wie die Gesundheit und Lebensumstände laufen. Unsere Schneiderin Cecilia war bei jedem unserer Patenkinder dabei um Maß abzunehmen. Sie hat bereits für alle die Schuluniformen für das kommende Schuljahr geschneidert. Jedes unserer Kinder wurde bereits mit einer Schultasche, Hefte und Stifte für das kommende Jahr ausgestattet. Um auf unseren Verein aufmerksam zu machen, wurden die Schultaschen unserer Patenkinder mit „Motema Congo“ bedruckt. Die meisten unserer Patenkinder haben teils trotz ihrer armen Lebensumstände das Schuljahr gut gemeistert. Vier haben sogar den Übertritt von der Grundschule ins Gymnasium geschafft. Bei zwei unserer Kinder lief auf Grund der Lebensumstände (Krankheit oder Wohnplatz des Kindes) dieses Schuljahr nicht so gut. Unser Team im Kongo, Dauphine, Pfarrer Jean Leonard und Aziza sind gerade daran gemeinsam mit dem Kind bzw den Eltern eine Lösung zu finden, wie zum Beispiel Finanzierung eines guten Arztbesuches. Jeder Schulpate hat bereist einen Bericht über sein Patenkind per Email erhalten.

Aufträge für ein Geburtstagsgeschenk für Patenkind

Regelmäßig bekommen wir von Schulpaten den Auftrag einem Patenkind ein Geburtstagsgeschenk zukommen zu lassen. Ein Geschenk kostet 30€. Aziza holt aktuell dann das Kind zuhause ab und fährt mit ihm in den großen Supermarkt in Boma. Sie dürfen sich dann von ihrem Geburtstagsgeld aussuchen was sie gerne hätten. Viele kannten den großen Supermarkt bisher nur von außen. Dort einzukaufen ist ein richtiges Highlight für die Kinder. Neben dem Supermarkt befindet sich noch ein kleiner Spielplatz, wo sie den Geburtstagseinkauf dann noch ausklingen lassen.

Erhöhung der Studiengebühren unserer Studenten

Wir betreuen 27 junge Studenten, die ohne unsere Unterstützung nicht studieren könnten. 17 Studenten haben einen Paten in Deutschland der ihnen die Semestergebühren ermöglicht. 10 von unseren 27 Studenten haben keinen Paten, bekommen aber von uns die Studiengebühren über Spendengelder finanziert. In den vergangenen Wochen kam es im ganzen Land immer wieder zu Streiks von den Professoren, wegen zu geringen Löhnen für das Unterrichten an den Universitäten. Nun wurden ab Juni im ganzen Land vom Bildungsminister die Studiengebühren angehoben. Die Erhöhung der Gebühren pro Semester ist sehr unterschiedlich ausgefallen. Zuvor beliefen sich die Kosten für ein Semester auf 120€, aktuell je nach Studiengang zwischen 133€ – 188€ je nach Studiengang. So ist zum Beispiel das Medizinstudium am teuersten geworden.  Für das jetzige Semester mussten alle Studenten schon im Juni die Erhöhung der Gebühren nachbezahlen. Erfolgte die Zahlung der erhöhten Gebühren nicht, so wurden sie im Juli nicht zu den Prüfungen zugelassen.  Ihr könnt euch vorstellen das unsere Studenten die wir betreuen sehr unruhig und fast schon panisch waren. Sie hatten große Angst dass sie ihr Studium nicht fortführen können.

Die erfreuliche Nachricht ist, das alle unserer Studentenpaten die Bezahlung der erhöhten Gebühren angepasst haben. Auch für unsere Studenten ohne Paten konnten wir für dieses Semester eine Lösung finden. Herzlichen Dank an jeden einzelnen Unterstützer. Wir haben deshalb entschieden vorerst keine weiteren Studenten zur Unterstützung aufzunehmen, sondern unseren Fokus auf unsere bisherigen Studenten zu legen. Wir sehen uns ganz klar in der Pflicht und Verantwortung alle unsere 27 Studenten gut durch das gesamte Studium zu bekommen. Die 10 Studenten die keinen Paten haben sind auf die Unterstützung einzelner Spender angewiesen um Semester für Semester weiter studieren zu können.  Mehr zur Unterstützung unserer jungen Erwachsenen liest du hier: Stipendien für Studierende

Informatikstudent Christian

Anbau vom Krankenhaus Manterne und ein Blutabsauggerät für den OP

Anfang diesen Jahres konnten wir in dem kleinen Krankenhaus Manterne die Fortsetzung eines Anbaus in Höhe von 1500€ unterstützen. Das Gebäude bekam ein Dach, Fenster und Türen. Es soll dort ein Zimmer zur Patientenaufnahme, ein Labor und ein Raum zur Verabreichung von Bluttransfusionen entstehen.

Der OP Raum in diesem Krankenhaus ist sehr klein und einfach gehalten. Eine Liege, ein paar Instrumente, zwei kompetente Ärzte und Krankenschwestern, Vom OP Raum hört man draußen die Ziegen und wartende Menschen. Ein Blutabsauggerät für die Operationen gab es bislang nicht. Bereits vor einem Jahr sprach mich der Arzt Dr. Clement an, das solch ein Gerät die Durchführung der Operationen enorm erleichtern würde. Bisher wurde während einer OP das Blut mit Saugkompressen aufgesaugt. Vor wenigen Wochen konnten wir nun ein Blutabsauggerät im Wert von 500 Dollar vor Ort im Kongo kaufen. Die Arbeit während den operativen Eingriffen ist nun enorm erleichtert. Und persönlich freut es mich sehr, wie Dr. Clement aus dem Kongo nun schon bereits mehrmals persönlich, per Nachricht mit beeindruckenden Bildern und Videos seinen tiefen Dank ausdrückte.

Weiterer Anbau auf unserer Selbstversorgerfarm

Wir haben aktuell im Kongo Angebote von zwei Agronomen eingeholt um weitere Obst und Gemüsebäume anpflanzen zu lassen. Das bessere Angebot haben wir angenommen. Durch den Agronomen lassen wir im September für 1700€ , 300 weitere Fruchtbäume auf unserer Selbstversorgerfarm anpflanzen. Für diesen Preis wird der Agronom auch ganze drei Monate die neuen Setzlinge pflegen und überwachen. Unsere Einheimischen vom nahegelegenen Dorf, die später von der Ernte profitieren werden, freuen sich schon sehr auf die Erweiterung der Anpflanzung auf unserem Grundstück.

Bananenpflanze

Kauf eines Grundstückes für die Erschaffung der Ausbildungsstätte

Unseren Schwerpunkt haben wir momentan auf unser großes Projekt ´Gründung der ersten Ausbildungsstätte für Menschen ohne Schulbildung` gelegt.

Ein geeignetes Grundstück für den Bau unserer Ausbildungsstätte in Boma kostet derzeit 12 000€ bis 15 000€. Die Preise steigen allerdings und die Lage muss gut durchdacht sein.

12 000€ haben wir bereits zusammen. Herzlichen Dank an jeden einzelnen Unterstützer!!

In Absprache mit Pfarrer Jean Leonard haben wir deshalb beschlossen, ein passendes Grundstück erst Anfang nächsten Jahres zu kaufen, wenn ich selbst vor Ort im Kongo sein werde. Bis dahin sammeln wir fleißig weiter. Näheres zu diesem Projekt liest du unter: Bau der ersten Ausbildungsstätte in Boma für Menschen ohne Schulbildung

Handarbeit aus dem Kongo

Unsere Schneiderin Cecilia aus dem Kongo hat mit viel Liebe verschiedenste Täschchen gescheidert. Diese habe ich dann im Januar für den Verkauf in Deutschland im Januar mit nach Hause genommen. Der Erlös fließt zurück in unsere Projekte im Kongo.

Herzlichen Dank an alle, die sich schon über ein individuelles Täschchen freuen durften!!

Du möchtest einem Kind zum neuen Schuljahr eine Freude machen? Diese Mäppchen eignen sich super für Stifte, Schere und Kleber. Die Täschchen können natürlich auch anderweitig genutzt werden.

Mehr dazu und weitere individuelle Stücke siehst du unter: Handarbeit aus dem Kongo

Unser Verein Motema Congo e. V.

Wenn du uns und unsere Projekte unterstützen möchtest und Ideen für Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit oder wertvolle Kontakte hast, dann melde dich gerne per Email bei uns: kongo.hilfe@posteo.de

Ich freue mich sehr, das wir schon so viel gemeinsam mit eurer Unterstützung für die Menschen im Kongo bewirken konnten. Nach wie vor ist es uns wichtig, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Anfang nächsten Jahres werde ich selbst wieder für ein paar Wochen zu unseren Projekten und den Menschen in den Kongo nach Boma reisen.

Ich wünsche Dir einen schönen Spätsommer,

herzliche Grüße,

Jessica


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